Melonenesser
Objektbeschreibung
Von September bis Ende November 1956 bereiste Lachnit gemeinsam mit dem Malerfreund Karl Kröner Italien. Sie sahen die Biennale in Venedig, waren in Rom, Lachnit traf Freunde auf Ischia. Zurück in Dresden fasste Lachnit seine Eindrücke für einen Zeitungsartikel so zusammen: „Mein Erleben war wie ein großer Gesang, den ich malend und zeichnend dirigiere. Meine Arbeit soll eine Huldigung an Italien werden, zyklisch, ein einziger Blumenkorb, ein Bukett des Dankes. […] Das Schwerblütige des Deutschen verwandelt sich hier in Duft.“ (zit. nach Wilhelm Lachnit. Gemälde Graphik, Zeichnungen, Ausst.-Kat., Akademie der Künste der DDR, Berlin 1990, S. 65 f.) 1957 entstanden eine Reihe von Landschaften, die das Gesehene wiedergeben, aber auch einige große Figurenbilder, die zum Teil auf frühere Arbeiten zurückgreifen. Eine Monotypie „Melonenesser“ von 1953, die Darstellung nur des Knaben, hatte Lachnit 1956 im Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg ausgestellt. Was nun ist das Italienische an den neu entstandenen Bildern? Die „Melonenesser“ wie auch die „Lesende mit Papagei“ (Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus) füllen den Bildraum völlig aus, sie stoßen geradezu an die obere Bildkante, diese Figuren benötigen kein Gegenüber, sie sind nicht individualisiert, sondern scheinen ruhig ihrem Tun hingegeben. Es ist wahrscheinlich, dass Lachnit in Neapel die Wandbilder von Hans von Mareés in der Zoologischen Station gesehen hatte. Melonenesser und Lesende sind so zeitlos und monumentalisiert wie die Orangenpflücker dort. Und wie bei Mareés sind sie auf der Suche nach Größe in strenger, einfacher Komposition gegeben. | Angelika Wesenberg