Griechischer Flötenbläser
Objektbeschreibung
Die Gestaltung dieser Bronzeplastik unterliegt einer strengen Dreieckskomposition. Sie wird in der Hauptansicht durch das sich über dem Kopf spitz nach oben wölbende Tuch und in den Seitenansichten durch den nach vorn gebeugten Körper und die ausgestellten Beine gebildet. Die in der Komposition angelegte Ruhe und Introvertiertheit des Protagonisten sind für Marcks’ Figurenkonzeption der 1930er-Jahre typisch. Das Motiv des „Griechischen Flötenbläsers“ sowie das im selben Jahr ausgeführte Gipsmodell eines „Großen Flötenbläsers“ (WVZ Rudloff 1977, 273) gehen auf Eindrücke zurück, die der Künstler während einer Griechenland-Reise 1928 skizzierte hatte (Skizze im Bestand der Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen, Inv.-Nr. C 7002). Marcks verzeichnete die Plastik als „Flötenbläser mit Tuch“ in seinem Werktagebuch für „Gyps & Bronze 1919–1934“ unter der Eingangsnummer 118 (Archiv Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen) und vermerkte dort die ersten beiden ausgeführten Güsse, darunter jenen, der sich seinerzeit im Besitz des Philologen und Archäologen Paul Friedländer befand und 1952 mit damals unbekannter Provenienz aus dem Kunsthandel für die West-Berliner „Galerie des 20. Jahrhunderts“ erworben wurde. Die Aufklärung der Provenienz führte im einvernehmlichen Austausch mit Friedländer dazu, dass ein von Marcks autorisiertes und 1960 durch die Gießerei Barth hergestelltes Exemplar „als Geschenk des Berliner Senats“ (Korrespondenz im Landesarchiv Berlin, B Rep. 014-1424) ersatzweise an Friedländer versandt wurde. | Yvette Deseyve