Merkur entführt Psyche
Objektbeschreibung
Der auffällig muskulöse Götterbote Merkur führt Psyche nach langer
Trennung und vielen bestandenen Proben zurück zu ihrem Geliebten Amor,
der im Götterhimmel auf sie wartet. Im Grunde handelt es sich also nicht
um einen Raub oder eine Entführung, sondern ganz im Gegenteil um eine
Zusammenführung, die mit der Hochzeit der beiden Liebenden endet. Psyche
begehrt gleichsam die Hinführung zum Geliebten, wie man nicht zuletzt
an ihrer willigen Anschmiegsamkeit ablesen kann. Begas griff hier formal
und motivisch auf die Tradition der barocken, in Körper und Draperie
heftig bewegten Raptusgruppen zurück, bei denen in der Regel ein
athletischer Held eine weibliche Gestalt entführt. - Der Entwurf zum
Merkur wurde von Begas' Künstlerkollegen schon 1870 in Rom bewundert.
Der Bildhauer führte das Modell - zunächst noch ohne jeglichen Auftrag -
bis 1874 detailliert aus und zeigte es dann auf der Berliner
Akademieausstellung. In der Folge gab die Nationalgalerie -
wahrscheinlich mit Blick auf die bevorstehende Eröffnung und die geringe
Anzahl vorhandener größerer Bildwerke für die Skulpturensäle - diese
Marmorfassung in Auftrag, die 1878, also zwei Jahre nach der Eröffnung
des Hauses, vollendet war und damals eine leichte Tönung aufwies. |
Bernhard Maaz