Opernball
Objektbeschreibung
Schlichting zeigt die vornehme Gesellschaft eines Opernballs beim Dinieren während der Pause. Das Werk erinnert an Adolph Menzels berühmtes Gemälde „Das Ballsouper“ in der Nationalgalerie (1878, A I 902), das Schlichting mit Sicherheit kannte. Die Szene ist ebenfalls leicht von oben gesehen, es gibt eine ähnliche Fülle an Details, die die Bildfläche mosaikartig auflösen. Zwar sind die Figuren vergleichsweise weniger ausgeführt, aber auch nicht zu einem Stimmungsbild zusammengefasst. Die in Pastelltönen gehaltene Darstellung wirkt wie leicht verschwommen. 1925 erwarb das preußische Kultusministerium in Absprache mit Nationalgalerie-Direktor Ludwig Justi aus den Berliner Ausstellungen jeglicher Richtung (Secession, Novembergruppe, Akademie der Künste, „Große Berliner Kunstausstellung“) eine besonders große Anzahl von Kunstwerken, die entweder in die Nationalgalerie gelangten oder zur Ausschmückung der Räume von Staatsgebäuden vorgesehen waren (Kristina Kratz-Kessemeier, Kunst für die Republik. Die Kunstpolitik des preußischen Kultusministeriums 1918 bis 1932, Berlin 2008, S. 503, 698, 727). Dem Ministerium war die Förderung von Künstlern aller stilistischen Ausdrucksformen ein wichtiges Anliegen. Das Gemälde „Opernball“ übernahm Justi nicht, wohl aber ein Jahr später das ebenfalls vom Ministerium erworbene Bild „Blühender Mohn“ aus der Frühzeit des Künstlers (1895, A II 531). „Opernball“ gelangte zu Ausstattungszwecken in ein Staatsgebäude und erst 1952 in die Nationalgalerie (Ost). | Angelika Wesenberg