Le Chasseur
Objektbeschreibung
„Le Chasseur“ (Der Jäger) reflektiert Dubuffets Bestreben, die Kunst von den Einschränkungen durch durch Vorstellungen von Schönheit und Harmonie zu befreien zugunsten der Komplexität und Vitalität des Lebens. Ab 1945 nutzte er hierfür den von ihm geprägten Begriff „Art brut“ und ließ sich dabei von Menschen inspirieren, deren intuitiver und ungeschulter künstlerischer Ausdruck von kulturellen Normen unberührt waren. Das an eine Kinderzeichnung erinnernde Gemälde gehört zu den „Paysages grotesques“ (Groteske Landschaften), einer Serie erfundener Landschaften, die aus seiner Auseinandersetzung mit der Sahara hervorgingen. Den Ausgangspunkt der zwischen Mai 1949 und Januar 1950 entstandenen Werke bildeten zahlreiche Gouachen, die Dubuffet während seines dritten Aufenthalts in Nordafrika von März bis April 1949 angefertigt hatte. Für die Wüstenlandschaften verwendete er eine Palette heller, erdiger Töne – Braun, Beige, Ocker – auf dunklem Grund. Auf die grobe, ungrundierte Juteleinwand schichtete er Farbe gemischt mit Teer, Sand, Asche und Holzkohle. Diese unebene Fläche überzog er mit Linien, Kratzern und Spuren, die bei aller Verzerrung an Berge und Felsen, Straßen, Grundstücke und Häuser, Menschen, Tiere, Bäume und Pflanzen erinnern. Seine Formen sind mal von der Seite, mal von vorn, von oben oder unten dargestellt. In der Komposition, die ohne Perspektive und Hierarchie auskommt, stößt alles aufeinander und steht miteinander in Verbindung. Der Jäger, der durch den Titel als Hauptfigur benannt wird, verschmilzt beinahe mit der Landschaft; seine fragmentierte Silhouette wirkt fast wie ein Teil des Terrains. | Catherine Nichols