Logo

Bildnis Leopold Reidemeister


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Kaus’ künstlerische Anfänge lagen in den 1910er-Jahren und waren – insbesondere durch den Einfluss Erich Heckels – stark expressionistisch geprägt. Im Gegensatz dazu zeigt das Porträt Leopold Reidemeisters (1900–1987) die gewandelte Formensprache, die sich zu Beginn der 1920er-Jahre in den Arbeiten des Künstlers durchzusetzen begann. Es offenbart jene malerischen Aspekte, die für Kaus bis zum Ende seiner Laufbahn von größtem Belang sein sollten: das Kolorit und die klar geordnete Komposition. Die hier formulierte Lösung vermag noch nicht ganz zu überzeugen; dies wird insbesondere im Vergleich mit den Bildnissen seiner Frau Turu aus dieser Zeit und den Folgejahren deutlich (WVZ Schmitt-Wischmann 1990, 48, 61, 63). Reidemeister hatte sich bereits als Student für Kaus interessiert und ihn in seinem Berliner Atelier besucht. Die daraus resultierende Freundschaft fand in diesem Bildnis ihren ersten Ausdruck. Es wird der Porträtierte gewesen sein, der den Auslöser zum Ankauf des Gemäldes 1965 gab, war Reidemeister doch kurz zuvor aus dem Amt als Generaldirektor der Staatlichen Museen in West-Berlin und Direktor der Nationalgalerie ausgeschieden. 1967 wurde er der Gründungsdirektor des Brücke-Museums. Dort widmete Reidemeister 1971 dem Freund zum 80. Geburtstag eine Retrospektive nebst Katalog mit warmherzigem Vorwort. 1975 saß der Kunsthistoriker Kaus ein letztes Mal Modell (Brücke Museum, Berlin). Der Kreis hatte sich geschlossen. | Katharina Wippermann