Spielender Mond
Objektbeschreibung
Fischers kleinformatige Arbeiten aus gebranntem Ziegelton sind Unikate. Während sein „Athlet“ (NG 21/91) noch entfernt an antike Kompositionen wie den berühmten Herkules Farnese erinnert, schuf Fischer mit „Mondmutter“ (1959, WVZ Dornacher 112) oder „Spielender Mond“ geradezu prähistorisch anmutende Plastiken, die sich von einer klassischen Körperauffassung und Proportionslehre weitgehend entfernt haben. Sowohl für das direkte Arbeiten in Wachs im Cire-Perdue-Verfahren (Mondmutter) als auch für die unmittelbare Bearbeitung in Ton griff Fischer zunehmend auf dünne, ausgewalzte Plattenware zurück und ersetzte den aufbauenden Modellierprozess durch mechanisches Biegen, Wölben und Verformen. Dabei wecken wenige, gezielt gesetzte Formen in Höhe des Kopfes oder anzunehmender Arme und Beine Assoziationen an Körperlichkeit. Mit seiner unverwechselbaren künstlerischen Sprache gelang Fischer ein beachtenswerter Beitrag zur figurativen Plastik der deutschen Nachkriegsmoderne. Seine Offenheit am Schnittpunkt von Figuration und Abstraktion prädestinierten ihn für seine Tätigkeit an der Hochschule der Künste Berlin, die er 1975 als Professor aufnahm. Fischers bildhauerischer und zeichnerischer Nachlass wird heute in einem ihm gewidmeten Museum in seinem Geburtsort Neumarkt i. d. Oberpfalz gepflegt und wissenschaftlich bearbeitet. | Yvette Deseyve