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Objektbeschreibung

Lederers kraftvolles Denkmal Otto von Bismarcks für Hamburg (1902–1906; Alter Elbpark) machte den Bildhauer zu einem der meistbeschäftigten Auftragskünstler seiner Zeit. Parallel zu den zunehmenden, monumentaler werdenden Denkmalsentwürfen deutschnationaler Prägung pflegte er das kleine Format in Gestalt von Bronzestatuetten. 1925 präsentierte er 17 von ihnen als beispielhaftes Ensemble auf der Berliner Akademieausstellung. Dafür griff Lederer auf grazile weibliche Figuren zurück, die in seinem Œuvre der kraftstrotzenden Männlichkeit im Großformat gegenüberstehen und den privaten Käufermarkt bedienten. Aus Privatbesitz stammt auch die kleinformatige Aktfigur einer Stehenden mit Tuch, die in graziler Drehung und bewegter Kopf- und Beinhaltung das Motiv des Abtrocknens illustriert. Das große, mit beiden Händen symmetrisch gehaltene Tuch rahmt die Gestalt in betonter Schönlinigkeit – in letzter Reminiszenz an den Jugendstil. Es sorgt für einen anmutigen Ausdruck des ansonsten voluminös durchmodellierten Frauenkörpers und vermittelt zwischen Bewegtheit und ruhiger Monumentalisierung. Lederer nutzte hier ein für ihn wichtiges Gestaltungsmoment: „Symmetrie ist für mich von früh auf […] starker Ausdruck geworden […]. Viele meiner großen und auch kleinen Arbeiten sind von der Symmetrie ausgehend erfunden und gestaltet!“ (zit. nach Hans Krey, Hugo Lederer. Ein Meister der Plastik, Berlin 1931, S. 17). Das 1912 publizierte Tonmodell „Nach dem Bade“ (L., Neue Arbeiten von Hugo Lederer, in: Die Kunstwelt, 2. Jg. [1912/1913], Abb. S. 24) zeigt Lederers in der späteren Literatur als „Stehende mit Tuch“ titulierte Statuette in einem noch skizzenhaften Duktus. | Yvette Deseyve