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Objektbeschreibung

Kurz nachdem Feininger die Ölfarbe für sich entdeckt hatte, malte er eine Serie von Werken, die er als „Mummenschanz“-Bilder bezeichnete (Hans Hess, Lyonel Feininger, Stuttgart 1959, S. 48). In ihnen nahm er die Bildwelt seiner Karikaturen wieder auf. Das am neuen Wohnort in Berlin-Zehlendorf am 20. August 1908 entstandene Gemälde „Karneval“ zeigt grotesk proportionierte Gestalten, die über einen gepflasterten Platz eilen. In der Stadtkulisse hinter ihnen übertrumpft ein hell erleuchtetes neues Theatergebäude mit ionischen Säulen den Kirchturm und die dunklen Giebel alter Häuser. Ein Riese mit winzigem Kopf schwingt das Narrenzepter. Wie drinnen während eines Bühnenstücks ist auch draußen für die Dauer des Karnevals die Ordnung des Alltags außer Kraft gesetzt. Wenig später wird Feininger auf einem ähnlichen Bild eine rote Fahne wehen lassen („Große Revolution“, 1910; The Museum of Modern Art, New York). Zu den Anregungen für seine damaligen, flächig aufgebauten Kompositionen schrieb der Künstler später an seinen Sohn Lux: „[…] mein Ideal war, Bilder aus farbigen Silhouetten aufzubauen. Ungefähr so, wie Mamis frühere Scherenschnitte. Auch erinnerte ich mich an den Eindruck, den mir gewisse Schiessbudenfiguren gemacht hatten, die aus Blech geschnitten und ganz primitiv mit brutalen Farben ohne Schattierung bemalt waren“ (Brief vom 2.7.1946, zit. nach Lyonel Feininger. Von Gelmeroda nach Manhattan, Ausst.-Kat., Berlin/München, 1998, S. 28). | Dieter Scholz