Les Noces
Objektbeschreibung
Das in dunklen Grautönen gehaltene, großformatige Gemälde „Les Noces“ (Die Hochzeit) des kubanischen Künstlers Lam ist voller Mystik und Symbolik. Im Mittelpunkt steht ein vogelartiges weibliches Wesen, das auf einem Rad balanciert. Die waagerecht ausgestreckten Arme der Figur halten ein Schwert und einen dreiarmigen Leuchter. Links und rechts von ihr befinden sich zwei weitere Figuren, halb Mensch, halb Tier. Alle drei sind bis zur Zeichenhaftigkeit abstrahiert. Die Szene wirkt nicht wie eine Hochzeit, sondern vielmehr wie eine herrschaftliche Zeremonie, in der das Gleichgewicht von Krieg und Frieden ausgelotet wird. Die Darstellung passt in die unsichere, gefahrvolle Zeit Ende der 1940er-Jahre. Lam war 1940 – mitten im Zweiten Weltkrieg und nach fast zwanzig Jahren in Europa – nach Kuba zurückgekehrt. Die deutsche Besetzung von Paris hatte ihn wie viele andere Künstler*innen und Intellektuelle dazu gezwungen, das Land zu verlassen. Erschüttert erlebte er dann die politische und wirtschaftliche Situation in seiner Heimat. „Die Hochzeit“ ist eine Reaktion auf jene krisenhafte Gegenwart. Indem er menschliche, tierische und pflanzliche Elemente im Bild miteinander verbindet, entwirft er eine traumhafte, nicht gänzlich entschlüsselbare Welt, eine Metapher für die bedrohliche und zersplitterte Realität. | Maike Steinkamp