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Bratsker Landschaft


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Objektbeschreibung

Mattheuer hatte von 1946 bis 1951 in Leipzig an der Kunstgewerbeschule, der späteren Hochschule für Grafik und Buchkunst, studiert. Im Anschluss war er bis 1974 dort tätig, zunächst als Assistent im Fachbereich Schriftgestaltung, ab 1965 hatte er eine Professur inne. Mattheuer arbeitete zunächst vor allem als Gebrauchsgrafiker, in den 1960er-Jahren gewann die Malerei die Oberhand. 1966 unternahm er mit seinen Malerkollegen Karl-Erich Müller und Willi Neubert eine mehrwöchige, staatlich geförderte Studienreise in die Sowjetunion. Eine Station war die damals gerade im Aufbau befindliche Industriestadt Bratsk nördlich des Baikalsees inmitten der sibirischen Taiga. Dort wurde im selben Jahr – ein sowjetisches Prestigeprojekt – ein Wasserkraftwerk fertiggestellt, wofür einer der weltweit größten Stauseen angelegt worden war. See und Kraftwerk sind in Mattheuers Gemälde im Hintergrund zu sehen. Vor dem Panorama der für die neue Planstadt gerodeten und aufgerissenen Landschaft hat Mattheuer einige Personen platziert, die teils verloren in der desolaten, mit industriellen Bauteilen übersäten Gegend sitzen oder ihre Lebenssituation zu meistern versuchen, wie die beiden sinnbildlich dafür auf einem Rohr balancierenden Frauen. Mattheuers Gemälde verdeutlicht, dass die Umformung der Landschaft im Sinne der Industrialisierung nicht von allen Beteiligten entsprechend der Staatsdoktrin als Fortschritt wahrgenommen wurde. Die Szene ist damit nicht nur ein Symbol für das Eindringen der Zivilisation in die Natur, sondern stellt deutlich den ungetrübten Glauben an den sozialistischen Fortschritt in Frage. | Maike Steinkamp