Femme et chien dans la rue
Objektbeschreibung
„Femme et chien dans la rue“ (Frau und Hund auf der Straße) ist eines von fünf Bildern, deren Herleitung von Zeichnungen aus Appels „Carnet Psychopathologique“ bisher identifiziert werden konnte: Das Ölbild entspricht weitgehend einer Zeichnung in dem psychopathologischen Skizzenheft (Karel Appel Nachlass, vertreten durch die Karel Appel Stiftung, Amsterdam). Jenes war Ende 1950 entstanden, als der Künstler eine Ausstellung mit Zeichnungen von Psychatriepatient*innen im Pariser Hôpital Ste. Anne besucht hatte; kurz zuvor hatte er die Niederlande endgültig verlassen, um in der französischen Hauptstadt zu leben. Appel überdeckte die Texte einer psychiatrisch-wissenschaftlichen und nicht bebilderten Broschüre zur Ausstellung mit Zeichnungen, die, so darf man annehmen, subjektive Anverwandlungen dessen waren, was er an den Wänden gesehen hatte. Somit setzte er seine künstlerische Aneignung buchstäblich über den wissenschaftlichen Logos hinweg. Dieser Zusammenhang ist im doppelten Sinne bedeutsam: Einerseits ist dies eine sehr frühe Verwendung der Schöpfungen von „Outsidern“ als künstlerische Inspirationsquelle – vor Appel hatte dies eigentlich nur Jean Dubuffet getan. Und innerhalb von Appels eigenem Œuvre ist „Femme et chien dans la rue“ eines der ersten Beispiele für die noch verhältnismäßig neue Erkenntnis, dass er durchaus auch nach Vorzeichnungen arbeitete – eine Tatsache, welche das verbreitete Stereotyp des wilden und spontanen Malers untergräbt. Insofern kann das Bild in doppeltem Sinne als ein Schlüsselwerk angesehen werden. | Franz W. Kaiser