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Industriebild (Periferia industriale)


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Objektbeschreibung

Als einer von sieben Malern gehörte Sironi der Gruppe Novecento an, die 1922 unter anderem von der Kunstkritikerin und Mäzenin Margherita Sarfatti, die in engem Verhältnis zu Benito Mussolini stand, gegründet worden war. Die Gruppe strebte einen modernen Klassizismus an, der die faschistische Ära begleiten sollte. Zwar sind die monumentalen, vereinfachten Formen des „Industriebildes“ und der „Komposition“ typisch für Sironi, doch wer triumphale Ansichten erwartet, wird enttäuscht: Das „Industriebild“ (A II 794) sieht düster aus, die Frau mit Kind auf dem Arm steht offenbar in keiner Beziehung zu der sich hinter ihr erhebenden Industrieanlage. Neben ihr sitzt ein Bettler mit ausgestreckter Hand. Im Gegensatz zu den klaren Linien der Kleidung der Frau und der geraden, klaren Linie von ihrer Stirn zu ihrer Nasenspitze – ein Verweis auf die Renaissancemalerei – ist das schattige Gesicht des Bettlers durch geschmierte schwarze Linien verzerrt. Im Hintergrund, der vor allem aus einfarbigen Flächen besteht, kann das Blau des Himmels die dominierenden Brauntöne kaum ablösen. Ähnlich dunkel und enigmatisch wirkt die Beziehung zwischen der Frau und dem Mann in der „Komposition“ (A II 795). Beide Figuren sind im Halbschatten in groben Zügen und halb nackt dargestellt. Es ist eine intime Situation mit einer noch nicht ganz abgeschlossenen Handlung. Die Betrachter:innen bleiben außen vor. Die grobe Darstellung der Körper markiert eine entschiedene Abkehr von den klassizistischen Idealen des Novecento. Zusammen mit 13 weiteren Werken aus Italien gelangten die beiden Gemälde von Sironi Ende 1932 durch einen Bildertausch an die Nationalgalerie und waren ab Februar 1933 in deren Neuer Abteilung im Kronprinzen-Palais zu sehen. Bald jedoch regte sich deutliche Kritik an vielen dieser Arbeiten (vgl. Dieter Scholz, Faschistische Bilder in der Nationalgalerie?, in: Jahrbuch der Berliner Museen, Band 53 [2011], S. 131–146). Am 30. Oktober 1937 wurde die „Komposition“ als „entartet“ beschlagnahmt, aber ein Jahr später der Nationalgalerie zurückgegeben. | Emily Joyce Evans