Sitzende
Objektbeschreibung
Zurückgekehrt nach Berlin, arbeitete Balden zwischen 1948 und 1950 für die Satirezeitschrift „Ulenspiegel“ als Karikaturist, wobei er neben Zeichnungen vor allem szenische Bilder aus Plastilin anfertigte, die er mit Zeitungsausschnitten und Fotos kombinierte. In dieser Zeit schuf er nur wenige skulpturale Arbeiten, darunter die kleinformatige „Sitzende“. Sie stellt eine Arbeiterin dar, die mit ihrem Helm auf dem Kopf, breitbeinig sitzend, mit riesigen nach vorn ausgestreckten, schützenden Händen und einer voluminösen Brust eine mütterliche und gleichzeitig engagiert anpackende Frau verkörpert. Damit entspricht sie dem weiblichen Rollenbild, wie es die sozialistisch geprägte Politik in der Sowjetischen Besatzungszone für den Wiederaufbau Deutschlands nach 1945 propagierte. In ihrer physischen Präsenz, ihrem schweren, schutzbietenden Körper steht sie ebenso wie durch ihre aufgerichtete Haltung nicht nur für einen engagierten Pragmatismus, sondern gleichermaßen für die Bewahrung von Menschlichkeit und Mitgefühl. Dem Ideal des Sozialistischen Realismus entsprach die Figur dennoch nicht, standen die kubische, schwellende Grundform, die Überproportionierung der Gliedmaßen bei gleichzeitiger Verkleinerung des Kopfes doch zu sehr der abstrahierenden Formensprache der europäischen Moderne nah. | Maike Steinkamp