Komposition
Objektbeschreibung
Der als Architekturzeichner ausgebildete Léger lernte 1907 die Werke von Paul Cézanne, Pablo Picasso und Georges Braque kennen. In Auseinandersetzung mit dem Kubismus entwickelte er sein eigenes bildnerisches Vokabular. Dieses ist geprägt durch die häufige Verwendung zylindrischer Formen, was den konservativen Kunstkritiker Louis Vauxcelles 1911 dazu veranlasste, Léger als „Tubisten“ zu verspotten. Der Maler selbst bezeichnete seinen Stil 1913 als „konzeptionellen Realismus“ (Fernand Léger, Was stellt das dar?, zit. nach Fernand Léger, 1881–1955, Ausst.-Kat., Berlin [West], 1980, S. 50–63). Das Erleben der Kriegsmaschinerie im Ersten Weltkrieg bestärkte Léger darin, die Welt als industriell geprägt und die Menschen als gesichtslose Automaten wiederzugeben. Seine kleine, 1920 entstandene „Komposition“ wird dieser „mechanischen Periode“ des Künstlers zugerechnet. Die motivischen Elemente wie Mast, Flagge, Strickleiter oder das gebogene Lüftungsrohr entstammen der Schiffsarchitektur. Ihre Flächenhaftigkeit und die kräftigen Farben lassen den starken Einfluss durch Robert Delaunay erkennen. Auf der Rückseite ist das Gemälde dem befreundeten Kunstschriftsteller Maurice Raynal gewidmet. Dieser verkehrte in der Pariser Künstlerkolonie La Ruche, in der neben Léger auch Alexander Archipenko, Ossip Zadkine und andere ihre Wohnateliers hatten. 1921 veröffentlichte Raynal einen Aufsatz über Léger in der von Le Corbusier mitgegründeten Avantgarde-Zeitschrift „L’Esprit nouveau“ (Nr. 4, 15.1.1921, S. 426–442), 1922 folgte ein Buch über den Künstler. | Dieter Scholz