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Stadtbahn von Berlin


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Objektbeschreibung

Die Spritztechnik, die Nerlinger in seiner großformatigen Arbeit „Stadtbahn von Berlin“ nutzte, wurde in den 1920er-Jahren vor allem in der Reklame angewandt. Auch sonst ist die Bildsprache der Werbung entlehnt, wobei der konstruktive Bildaufbau sowie typografische Experimente zuvor von Künstlern wie El Lissitzky, Walter Dexel, Kurt Schwitters oder Nerlinger selbst in die Werbung eingeführt worden waren. Der kühle Farbauftrag und die präzise, klare Komposition demonstrieren die Vorstellung einer modernen, durchrationalisierten Arbeits- und Alltagswelt. „Stadtbahn von Berlin“ wird von vier sich teils durchkreuzenden, monumentalen Brücken und befahrenen Eisenbahntrassen dominiert. Im Mittelgrund erhebt sich der mit einer modernen Glaskuppel gebaute Bahnhof, den zahlreiche, nur als schwarze Schatten erkennbare Menschen bevölkern. Weitere Personen strömen über die quer durch das Bild verlaufende Fußgängerbrücke zu ihren Arbeitsstätten. Es ist wenige Minuten vor sieben – für viele kurz vor Arbeitsbeginn –, wie die alles beherrschende rote Uhr in der Mitte anzeigt. Eine zweite Uhr tickt am rechten Bildrand. In ihrer durchgetakteten Modernität weist Nerlingers Stadtlandschaft durchaus dystopische, kritische Züge auf. Der Kunstkritiker Ernő (Ernst) Kállai beschrieb sie und vergleichbare Ansichten 1930 als „phantasiekühne Visionen eines naturlosen mechanischen Lebensraumes mit verschwindend kleinen emsigen Menschenfiguren darin. Nichts Persönliches mehr an diesen Menschen, es sind nur noch schematische Typen in Gleichform und Gleichtakt“ (zit. nach Oskar Nerlinger. 1893–1969, Ausst.-Kat., Pforzheim/Berlin, 1993, S. 147). | Maike Steinkamp