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Kleiner Reiter

1957 erworben durch das Land Berlin

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Objektbeschreibung

Die Reiterfigur wurde ab 1936 zu einem zentralen Motiv mit zahllosen Variationen in Marinis Werk. Sie hat in der Tradition des Reiterstandbildes eine bedeutende kunsthistorische Referenzgeschichte, die Marini bestärkend, aber auch negierend rezipierte und neu interpretierte. Einerseits nahm er immer wieder formale Anleihen, etwa bei antiken oder mittelalterlichen Standbildern, andererseits verdeutlichte Marini zunehmend entschieden, dass die Verehrung der Herrscherfigur veraltet ist. Er befragt das Motiv formal und gibt ihm besonders in der Nachkriegszeit eine neue inhaltliche Ausrichtung. So ist auch der „Kleine Reiter“ von 1950 Ausdruck eines Antihelden, der, stürzend, die Kontrolle über sein Pferd verliert, während dieses selbst seinen festen Stand bewahrt. Eher tragisch denn heroisch, wurde diese Arbeit auch als Sinnbild für die Umbrüche der damaligen Zeit gedeutet. Die fallende, unbekleidete Reiterfigur wird in ihrer Form auf Flächen heruntergebrochen, mit ihren verkürzten Gliedmaßen erscheint sie fragmentarisch, unausgewogen, versehrt. Die farbige Patina hebt die Teilflächen hervor, in die Pferd und Reiter sich gliedern. So entwickelt Marini auch formal das tradierte Motiv weiter und findet eine geometrische Simplifizierung im weiterhin Figürlichen. | Sintje Guericke