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Nr. 90

1976 erworben durch das Land Berlin

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Objektbeschreibung

Brüning war einer der jüngsten Protagonisten des deutschen Informel. Die Kunstrichtung strebte eine sowohl gegenstandsfreie, aber nicht geometrische, als auch offene und prozessuale Bildsprache an. Unmittelbar nach seinem Studium bei Willi Baumeister lebte Brüning von 1952 bis 1954 in der Nähe von Paris und lernte dort die Arbeiten von Wols und Hans Hartung kennen. Für Brüning, der die Repression des Nationalsozialismus erlebt hatte, war Kunst ein Ausdruck von Freiheit, die Individualität und Identität des Menschen in den Vordergrund rücken lässt: „[Die Kunst] verteidigt und behauptet […] die gefährdete Position der individuellen, das heißt der menschlichen Freiheit angesichts der ungeheuerlichen staatlichen Unterdrückungsmaschine.“ (WVZ Otten 1988, S. 38). Als die New Yorker Galeristin Martha Jackson 1958 seine Zeichnungen in Aquarell und Tusche sah, fragte sie ihn, wieso er denn nicht so male, wie er zeichne. Womöglich nahm er dies zum Anlass, um mit „Nr. 90“ ein aquarellähnliches Bild auf Leinwand zu malen. Auf den sandfarbenen Bildgrund hat Brüning in gestischer, dynamischer Manier Farbelemente in Gelb, Grau, Grün, Rot und Weiß aufgetragen. Insbesondere durch die Wahl der Naturtöne wird hier wird hier ohne Nachahmung ein Bezug zur Landschaft nahegelegt. Die schwarzen und grafisch anmutenden Pinselstriche setzen Akzente und betonen die Vertikale. Durch ihre lockere Wiederholung hat das Bildmotiv einen eher spontanen, nicht streng geplanten Rhythmus. | Chrysoula Kalpakidou