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Der umfunktionierte Student

1968 erworben durch das Land Berlin

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Objektbeschreibung

Diehl studierte ab 1959 an der Akademie der Bildenden Künste in München, bevor er 1961 an die École nationale supérieure des beaux-arts, Paris, wechselte. 1964 kam er nach Berlin, wo er bis 1966 an der Hochschule für Bildende Künste studierte, Meisterschüler von Hann Trier wurde und 1964 die Selbsthilfegalerie Großgörschen 35 mitbegründete. In Berlin traf er auf ein politisches Klima, das sein Schaffen dieser Jahre prägen sollte. Den Forderungen der sogenannten Studentenrevolte verlieh der Vertreter des Kritischen Realismus in seinen Werken Ausdruck und machte Manipulation und Entmündigung zu zentralen Themen seiner Malerei. „Der umfunktionierte Student“ ist verkabelt. Ein Schlauch verläuft von seinem Ohr zu einem scheinbar einzeln an den linken Bildrand gesetzten Ohr. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die dazugehörige Figur, deren Profil schemenhaft angedeutet ist, während Hemdkragen und Jackett deutlicher ausgearbeitet sind. Durch ein Gerät scheint die mysteriöse zweite Figur dem Studenten direkt in den Kopf zu schauen. Das Kürzel „Pol“ in der oberen rechten Ecke könnte gleichermaßen für „Politik“ wie für „Polizei“ stehen. Ein weiterer Schlauch verbindet den Studenten mit einem Glas, in dem der geschrumpfte Kopf des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke schwimmt. Debatten um die NS-Vergangenheit Lübkes befeuerten die Unruhen im Entstehungsjahr des Gemäldes. Auch bei der Eröffnung der Neuen Nationalgalerie am 15. September 1968 kam es zu verschiedenen Protest- und Flugblattaktionen durch Studierende. | Tizian Holzbach