Vorstadtstraße
Objektbeschreibung
Während seiner Ausbildung an der Hochschule für die bildenden Künste in Berlin-Charlottenburg lernte Heldt die zeitgenössische, aber auch die ältere französische Kunst kennen. Sie zeigte ihm neue Möglichkeiten auf, sein noch unbestimmtes Lebensgefühl auszudrücken. Sein Lehrer Maximilian Klewer wie auch der Studienfreund Hans Kuhn verbrachten längere Zeit in Paris, die Stadt und ihre Kunst waren präsent. Ein prägendes Vorbild, vermittelt über die Literatur und Berliner Sammlungen, wurde und blieb Heldt der Grafiker Charles Meryon mit seinen um 1850 entstandenen verrätselten Pariser Straßenansichten. Noch bevor der Künstler 1930 selbst nach Paris reiste, entstanden Bilder in helleren Farben, die zugleich deutlich melancholischer waren als vorher. Seit etwa 1928 sind seine Stadtansichten oft menschenleer, sie erscheinen, wie diese Straßenkreuzung mit Bebauung, unwirtlich und unheimlich. Wie Heldt es bei Meryon vorgeprägt fand, begegnet uns hier „die eigentümliche Fusion von Surrealismus und Realismus, wie sie für die Zwischenkriegszeit charakteristisch ist. […] Die Kneipe im Vordergrund signalisiert Geselligkeit und wirkt doch so verloren wie die leere Straßenmündung, deren Beschilderung an einer Laterne so vergeblich erscheint wie die Werbeschilder der Kneipe“ (Hartmut Böhme, Das Reale ist das Surreale und umgekehrt, in: Surreale Sachlichkeit, Ausst.-Kat., Berlin, 2016, S. 29). Heldt hatte mit diesen Ansichten seltsam unbelebt erscheinender Stadt- und Vorstadtstraßen die ihm gemäße Ausdrucksform gefunden. | Angelika Wesenberg