Fräulein Krupicka
Objektbeschreibung
Zwei Jahre nach seiner Berufung auf eine Professur an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB) schuf Stelzmann „Fräulein Krupicka“ als Hüftbildnis einer schlanken Frau mit figurbetonter Kleidung, das die Leinwand in der gesamten Höhe einnimmt. Wie in mehreren von Stelzmanns Bildnissen ist die porträtierte Person leicht nach rechts gedreht, während sich ihr Blick auf etwas jenseits des Bildes richtet. Ihre Hände, über die Künstler*innen die Porträtierten häufig zusätzlich charakterisieren, befinden sich ebenfalls fast gänzlich außerhalb des Bildausschnitts. Ein tropfenförmiger Ohrring akzentuiert den freiliegenden langen Hals. Statt ihr dezent geschminktes Gesicht zu idealisieren, betont Stelzmann Asymmetrien eher noch, so etwa im Fall des leicht hängenden linken Augenlieds. Das brünette und lockig-krause Haar geht optisch an einigen Stellen in dem fast monochrom schwarzen Hintergrund auf, der in der oberen rechten Bildecke den Blick auf graue Architekturformen freigibt. Bei der Dargestellten könnte es sich um die 1960 in Ost-Berlin geborene Literaturvermittlerin und Lyrikern Sylvia Krupicka handeln, die Anfang der 1980er-Jahre einige Zeit als Sachbearbeiterin an der HGB tätig war. In der Architektur des Hintergrundes könnten sich dementsprechend die klassizistischen Bauformen der Leipziger Kunsthochschule andeuten, an der Maler und Gemalte damals arbeiteten. | Sophie Thorak