Ohne Titel
Objektbeschreibung
Die polnische Bildhauerin und Textilkünstlerin Abakanowicz begann in den 1960er-Jahren, dreidimensionale Textilskulpturen zu schaffen, die sie von ihrem Familiennamen abgeleitet „Abakans“ nannte. Diese großen, raumgreifenden Formen aus Sisal, die von der Decke hängen, waren eine echte Revolution, die die Textilien als künstlerisches Material von ihrer bislang dekorativen und angewandten Funktion lösten. Wegen der seinerzeit schwierigen ökonomischen Bedingungen in Polen nutzte Abakanowicz natürliche, gebrauchte und gefundene Materialien (unter anderem Jutesäcke und Lumpen). Diese Recyclingstrategie, spezifische Materialität und Haptik sind die Markenzeichen ihrer Arbeit. Während Abakanowicz’ Schaffen hauptsächlich mit den monumentalen „Abakans“ in Verbindung gebracht wird, umfasst ihr Œuvre neben Gemälden und Zeichnungen auch kleinformatige Plastiken wie die aus der Sammlung der Nationalgalerie. Das zweiteilige Werk „Ohne Titel“ gehört zu einem der bekanntesten Zyklen Abakanowicz’, der skulpturalen Installation „Embryologie“, die 1980 auf der Biennale in Venedig im polnischen Pavillon zum ersten Mal ausgestellt wurde. Diese bestand aus Hunderten von handgenähten organischen Objekten unterschiedlicher Größe, die scheinbar achtlos im Raum verteilt waren. Der Titel und die Gestaltung deuten auf Lebensformen hin, die in einen Kokon gehüllt und noch nicht bereit sind, sich zu entwickeln und zu gedeihen. | Marta Smolińska