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Doppelbildnis (Rabbi S. und Tochter)

Schenkung der Erben nach Dr. Ismar und Käthe Littmann

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Objektbeschreibung

Der aus einer tiefreligiösen katholischen Kaufmannsfamilie stammende Mense hatte 1912/1913 durch seine Teilnahme an den Ausstellungen des Sonderbunds in Köln und der Rheinischen Expressionisten in Bonn auf sich aufmerksam gemacht. Zur Beschäftigung mit der jüdischen Kultur scheint der Künstler durch seinen Kriegseinsatz in Polen und Russland 1916/1917 gekommen zu sein. 1919 ließ er sich in München nieder, änderte den Vornamen von Karl in Carlo und entwickelte sich künstlerisch weiter. Gemeinsam mit den Malerfreunden Alexander Kanoldt, Georg Schrimpf und Heinrich Maria Davringhausen nahm Mense 1925 an der Mannheimer Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ teil. Im selben Jahr wurde er an die Kunstakademie in Breslau berufen. Die Stadt hatte die drittgrößte jüdische Gemeinde im Deutschen Reich und war ein wichtiges Zentrum jüdischen Lebens. Das Doppelbildnis eines Rabbiners mit seiner Tochter dürfte jedoch auf eine Italien-Reise Menses zurückgehen, denn das grüne Kleid mit weitem Halsausschnitt ist für die Tochter eines deutschen oder osteuropäischen Rabbiners ebenso untypisch wie der schwarze Schleier aus Spitze, der aus Südeuropa stammt. Ohne einander zu berühren, stehen die beiden Porträtierten ernst an einem Tisch, auf dem zwei Bücher liegen. Durch die schwarze Kippa und den Vollbart ist der Mann als jüdischer Gelehrter gekennzeichnet. In den Jahren zuvor hatte Mense Bildnisse katholischer Kleriker gemalt, die ebenso wie das vorliegende durch Symmetrie und Frontalität an der Kunst des 15. und frühen 16. Jahrhunderts orientiert sind. | Dieter Scholz