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Glanz und Elend der Reformen


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Objektbeschreibung

Klapheck wollte, dass seine Bilder als ein Epos gelesen werden, dessen Hauptfiguren „nicht vom Menschen, sondern von seinen wichtigsten Gebrauchsgegenständen verkörpert werden“ (Klapheck, in: Konrad Klapheck, Ausst.-Kat. Hannover, Kestner-Gesellschaft, 1966, S. 21). Zu den Protagonisten dieser epischen Welt zählte er Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Schuhleisten und Taschenmesser, Telefone, Bügeleisen und Rollschuhe. Dinge dieser Art, auf deren Präsentation in Werbung er besondern achtete, verband er in seiner Bildfindung mit wegweisenden Werken der Kunstgeschichte von der Romantik bis zum Surrealismus sowie mit zeitgeschichtlichen Fotografien. Das Werk „Glanz und Elend der Reformen“ zeigt eine hochstilisierte, schlicht konstruierte Planierraupe, deren Vorbild möglicherweise ein Spielzeug war. Die Maschine füllt das Bild ganz aus und ist aus der Froschperspektive dargestellt, wodurch sie imposant, ja beinahe monströs wirkt. Alles, was ihr im Wege steht, macht sie ordentlich und einheitlich, jedoch zugleich kompromisslos platt. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Reformen, die in den frühen 1970er-Jahren von der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Willy Brandt in der Bundesrepublik angestoßen wurden, entfaltet das Bild eine starke Ambivalenz. Es spiegelt die Skepsis gegenüber den Auswirkungen gesellschaftlicher und politischer Veränderungen wider, wo der politische Apparat an den komplexen Bedürfnissen und Zwängen der Nachkriegsgesellschaft vorbeizuarbeiten schien. | Catherine Nichols