Wunschbild für Geologen
Objektbeschreibung
In seiner charakteristischen humorvollen Manier betitelte Trökes dieses Gemälde. Dem Ideal eines Geologen entsprechend, finden sich hier zahllose Schichten und Fragmente von Farbkomponenten und Texturen. Gleichzeitig verweisen Titel und Anordnung im Bild auf das ernsthafte Anliegen des Künstlers, den Beweis zu führen, dass eine abstrakte Komposition nicht zufällig zustande kommt, sondern eine Suche nach inneren Strukturen und Zusammenhängen widerspiegelt – und damit eine Parallelle zur Gesteinswissenschaft aufweist. Wenige Monate vor Entstehen des Werks hatte der Künstler eine ausgedehnte Reise nach Spanien und Marokko unternommen. Die von ihm nun gewählte Farbpalette der Gesteinsformationen scheint auf die braunen, gelben und orangefarbenen Erdtöne und Lichtwirkungen in diesen Ländern zu verweisen. In der Aufteilung der Fläche ist jedes einzelne Bildelement mit Bedacht gesetzt. In einem Brief an den Kunsthistoriker Gerhard Händler führte Trökes 1955 zu seinem Malprozess aus: „Wenn ich vor der leeren Leinwand aufgewacht bin, beginnt es ganz äußerlich, und zu Beginn interessieren mich nur die farbigen, strukturellen und picturalen Effekte. […] Es sind die optischen, sensuellen Reize, die den weiteren Verlauf bestimmen. […] Von diesem Zeitpunkt an malt sich das Bild sozusagen von selbst. Das kann noch gute Tage dauern. Vervollständigen, konkretisieren, Farbkomposition, Hell-Dunkel, Formen oder Flecken ins Gleichgewicht bringen, Richtung, Spannung, Kontraste, auch Inhalt.“ (Heinz Trökes, Wie ein Bild entstehen kann. Aus einem Brief von 1955 an Gerhard Händler, in: Trökes. Bilder, Zeichnungen, Collagen und Skizzenbücher 1938-1979, Ausst.-Kat., Berlin, 1979, S. 73-74) | Dorothea Schöne