Großer Turm
Objektbeschreibung
Ende der 1950er-Jahre entwickelte sich im Œuvre des Berliner Bildhauers Uhlmann die Motividee des Turms, mit der er sich bis zu seinem Tod 1975 intensiv auseinandersetzte. Der Turm stellte in seinen Augen die einfachste und zugleich monumentalste Form der Architektur dar. Die erste Plastik aus dieser Motivreihe entstand 1959 und setzt sich aus vier senkrechten, im rechten Winkel zueinander stehenden Stahlplatten in Schwarz und Rot zusammen. In der Mitte der Fläche sind jeweils rechteckige, negative Leerformen ausgeschnitten, denen sich kleinere, positive Rechteckformen zuordnen. Durch diese Anordnung suggeriert Uhlmann die Anmutung eines stabilen vertikalen Gefüges, das doch zugleich lichtdurchflutet ist. 1960 konstruiert der Künstler eine ungleich größere Fassung davon – mit 220 Zentimetern ist der „Große Turm“ mehr als doppelt so groß wie die frühere Version. Wieder ordnet er Stahlplatten mit schmalen Durchlässen versetzt zueinander an und verbindet die Komposition mittig durch Aussparungen sowie ein kammerartiges Element. Den Weg zu diesem zentralen Motiv im Spätwerk beschreibt der Künstler 1968 in seinem kurzen „Bericht über meine Plastik“ (in: Berlinische Galerie, Künstler*innen-Archive, Teilnachlass Hans Uhlmann, BG-Ar 6/2001-6.1. Texte von Hans Uhlmann): „Die Stationen waren: reine Drahtplastik, Arbeit mit Draht und Metallflächen, reine Metallflächenplastik: bei dieser werden die verschiedenen Möglichkeiten das Aufbaus untersucht: als Hohlform, als Relief, als Montage; geschlossen oder geöffnet; dies Alles auch in variierten Kombinationen.“ | Dorothea Schöne