Blumenstrauß
Objektbeschreibung
Der Strauß passt in seiner fröhlichen Farbigkeit zu dem Zweck, den ein rückseitig aufgeklebter, von unbekannter Hand beschrifteter Zettel angibt: Das Bild sei ein „Persönliches Geschenk von K. Völker zu unserer Hochzeit im Mai 1938“. Doch Völker war immer auch ein politisch denkender Künstler. 1961 bekannte er unter anderen gesellschaftlichen Vorzeichen: „Mein Thema ist und bleibt der Mensch“, und zwar „überall in meinen Bildern […] – gleichgültig, was sie gegenständlich darstellen“ (zit. nach Vorwort, in: 1000 Jahre Halle. Hallesche Künstler des VBKD stellen aus, Ausst.-Kat., Halle, 1961, o. S.). Ähnlich hat auch Wilhelm Lachnit in seinem „Blumenstrauß vor Vorhang und Landschaft“ (um 1933, A IV 283) Gesellschaftskritik „durch die Blume“ signalisiert. Die Chrysantheme („Goldpflanze“) weist auf die Sonne, das Licht, auf Erhellung und Aufklärung. Insbesondere die ausgesprochen formenreiche Garten-Chrysantheme ist Kunstblume und Exot par excellence: In Ostasien gezüchtet war sie erst 1862 aus Japan nach Europa gelangt. Die fahle Blüte links mit dem verschatteten Zentrum, die Vase mit den abrupt in tiefstes Schwarz umbrechenden Glanzlichtern, der lodernde Gestus der Blätter sind subtil-bedrohliche Kontrapunkte hierzu. Zudem können die gepflückten Äpfel als Hinweis auf den Sündenfall verstanden werden. Auch die lange Entstehungszeit des Bildes deutet darauf hin, dass die Hochzeit zumindest nicht dessen ausschließlicher Malanlass war. | Kyllikki Zacharias