Becken
Objektbeschreibung
Das rechteckige Becken aus Terrakotta besitzt am Boden einen L-förmigen Ausschnitt, der es seiner Funktion entbindet, Wasser aufzufangen. Bei der Betrachtung richtet sich die Konzentration auf diese Form, dieses Loch, doch die Frage nach seiner Funktion und Bedeutung bleibt offen. Ullmans Arbeiten thematisieren meist etwas, das gewesen ist. Sie sind eine physische Erinnerung an eine konkrete Geschichte, einen Ort, aber auch Verweise allgemeiner Art, die Fragen über das Leben aufwerfen. Bei dem Terrakotta-Becken beinhaltet das Material einen Hinweis auf das Ursprüngliche: die Erde. Der Lehm, aus dem es besteht, ist porös und macht die Fragilität des Objekts aus. Das Becken wurde 1990 im Anschluss an Ullmans Aufenthalt als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD für die Nationalgalerie angekauft. Es steht symbolisch für einen Ort, ein Objekt, die zum Menschen gehören; dieser ist aber nicht mehr anwesend. Die Form ist reduziert. Darin ist es verwandt mit den Bodenarbeiten Ullmans, die das Graben als Akt des Suchens beschreiben und häufig im Zusammenhang stehen mit dem jüdischen Erbe des in Israel geborenen Künstlers (vgl. Friedrich Meschede [Hrsg.], Micha Ullman. Bibliothek, Amsterdam/Dresden 1999). Zu diesen zählt auch Ullmans bekannteste Berliner Arbeit, die auf dem Bebelplatz neben der Staatsoper in den Boden versenkte, von oben einsehbare Bibliothek mit leeren Regalen, ein Mahnmal zum Gedenken an die Bücherverbrennung an diesem Ort im Jahr 1939. | Sintje Guericke