Mademoiselle Yvonne
Objektbeschreibung
„Mademoiselle Yvonne“, eines der bekanntesten Werke Lingners, zeigt eine selbstbewusste junge Frau, die den Betrachter:innen mit erhobenem Kopf forsch entgegenschreitet. Die Präsenz der monumental und fast bildfüllend wiedergegebenen Person unterstreichen ihr elegantes Auftreten im schwarzen Kleid, mit halblangen Handschuhen, perfekt frisiertem Haar, blassem Teint und rot geschminkten Lippen. Das Bildnis von Yvonne sticht aus Lingners zahlreichen Frauen- und Mädchendarstellungen heraus, sicher auch, weil es sich hier um eine konkrete Person handelt und nicht um einen Typus. Kennengelernt hatten sich die beiden vermutlich im Juli 1939 in der Redaktion der „L’Humanité“, der Verbandszeitung der Kommunistischen Partei Frankreichs, für die Lingner seit drei Jahren als Pressezeichner arbeitete. Yvonne, beschäftigt als Buchhalterin in einer Pariser Bank, war Mitglied der kommunistischen „Union des jeunes filles de France“. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs unterstützte sie die Résistance mit Kurierdiensten. Sie wurde verhaftet, gefoltert und nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich im Frühjahr 1943 starb. Über die persönliche Faszination von Yvonne hinaus vermittelt das Gemälde Lingners generelles künstlerisches Anliegen: „Mehr als den eigenen Landsleuten war mir als Deutschem immer schon die Bedeutung der französischen Frau im öffentlichen Leben, im Parteileben, in der Illegalität, der Widerstandsbewegung und im Kampf für Freiheit und Frieden aufgefallen, und oft hatte ich ihre fröhliche Zuversicht, ihren leidenschaftlichen Heroismus mit Feder und Pinsel verherrlicht“ (Max Lingner, Mein Leben und meine Arbeit, Dresden 1955, S. 68). | Maike Steinkamp