Barbara und Gaby 3/74
Objektbeschreibung
Seit Herbst 1969 malte Gertsch großformatige Bilder nach Motiven, die er selbst fotografiert hatte. Auf der 5. „Documenta“ war er 1972 in der Sektion „Fotografischer Realismus“ vertreten, die vom Direktor des Kunstmuseums Luzern, Jean-Christophe Ammann, kuratiert wurde. Über diesen lernte Gertsch 1973 den jungen Foto- und Performancekünstler Luciano Castelli kennen, der als Teil einer Kommune in einer heruntergekommenen Luzerner Jugendstilvilla lebte. Dort machte Gertsch zahlreiche Aufnahmen, unter anderem von Barbara Maier und Gaby Sibbe, die bei den Vorbereitungen für eine Party vor dem Badezimmerspiegel festgehalten sind. Mit einem DAAD-Stipendium lebte Gertsch 1974/1975 in Berlin, wo das Gemälde entstand. Nationalgalerie-Direktor Dieter Honisch beobachtete den Vorgang: „Er holt aus dem farbigen Dia bestimmte Details durch Abdecken der übrigen Partien heraus und projiziert sie in der gewünschten Größe auf die Leinwand. An seiner Palette hat er eine Vorrichtung, die es ihm erlaubt, den Projektor in dem Moment auszuschalten, in dem er die Farbe aufträgt. Er malt so praktisch aus dem Gedächtnis, hält sich dabei nicht sklavisch an das Vorbild, sondern verändert, intensiviert und vereinheitlicht. […] Das Bild bleibt still und unprätentiös, Malerei und Dokument zugleich. Die Anonymität wird noch dadurch unterstrichen, daß die beiden Dargestellten ihre Gesichter vom Betrachter abwenden und somit weniger bestimmte Personen, als vielmehr ganz allgemein eine Generation vertreten.“ (Dieter Honisch, Neuerwerbungen, in: Jahrbuch der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bd. 12, 1974/1975, S. 266f.) | Dieter Scholz