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Objektbeschreibung

Von April bis August 1968 war Guttuso als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg tätig. Während einer Parisreise wurde er Zeuge der politischen Maiunruhen in der französischen Hauptstadt. In diesem Spannungsfeld sind die biblischen Motive zu deuten, die Guttuso 1968 bearbeitete. Im Buch Genesis (Gen 19,16–38) wird die Zerstörung der sündhaften Stadt Sodom geschildert. Lot und seine Töchter bleiben verschont und leben abgeschieden in einer Gebirgshöhle. Als sich die Töchter Kinder wünschen, aber keine anderen Männer zur Verfügung stehen, machen sie ihren Vater betrunken und zeugen mit ihm Nachkommen. Guttuso holte die Handlung in die Gegenwart und verlegte sie in einen Schuppen, durch dessen Öffnung ein blutroter Himmel zu sehen ist. Zwischen einem Autoreifen rechts und einer (zeichnerisch nur angedeuteten) Weinflasche mit Trinkschale links liegt Lot nackt auf einer Luftmatratze, während eine der Töchter zu ihm herankriecht und die andere zuschaut. Im ersten Entwurf (Kunsthalle Bremen) ist das Gesicht der Beobachterin noch fratzenhaft verzerrt, in der Endfassung dagegen von ihrem Haarschopf verdeckt. Ihre Pose ähnelt einem Pin-up, und ohne das Wissen um den biblischen Hintergrund wäre die Szene auch deutbar als einvernehmlich erotisches Vorspiel und das Werk damit ein Zeitzeugnis der sexuellen Revolutionsbestrebungen. Dass der Kommunist Guttuso mit dem Motiv des Inzests eine Kritik der als bürgerlich-dekadent empfundenen kapitalistischen Gesellschaft im Sinn hatte, lässt sich nur über den Bildtitel erschließen. | Dieter Scholz