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Objektbeschreibung

„An ‚Spinne‘ kann man nicht achtlos vorübergehen. Hans-Peter Szyszkas Bild vermag einen in dem reichlichen Angebot im Albertinum aufzuhalten“, hieß es in der Ausstellungsrezension des „Thüringer Tageblatts“. (G.T., ‚Spinne‘ und sein junger Maler, in: Thüringer Tageblatt, Nr. 280, 28.11.1987) Tatsächlich erscheint es bemerkenswert, dass diese Arbeit auf der „X. Kunstausstellung der DDR“ 1987 – der letzten – unter den 323 ausgestellten (Bild-)Werken für besonders großes Aufsehen sorgte – und zugleich verwundert es kaum: Vordergründig liegt das an der extrem nahen, fotorealistischen Wiedergabe des Porträtierten, die Szyzska in seinen späteren Stillleben bis zum Hyperrealismus steigern sollte. Diese exakte Darstellungsweise unterminiert er mit einer asymmetrischen Komposition und der nicht leicht zu ergründenden Charakterisierung des Porträtierten. „Spinne“ ist in die linke Bildhälfte gerückt, in sich gekehrt wendet er den Blick nach unten aus dem Bild. Dennoch strahlt er gleichermaßen Gelassenheit und etwas Herausforderndes aus. Dies liegt in seiner Physiognomie begründet und wird durch die Komposition unterstrichen: die leere mittlere Bildachse, in der die Elemente ziegelrote Wand, Heizungsrohr und schwarz glänzende Lederjacke ein umso ausdrucksstärkeres Zusammenspiel eingehen, das in der Summe „Subkultur“ buchstabiert. Dass die Darstellung eines nonkonformen Subjekts für die Kunst-Leistungsschau der DDR eingereicht und auch ausgestellt wurde, überraschte schon zwei Jahre vor dem Fall der Mauer nicht mehr. „Man merkt in den Arbeiten [der X. Kunstausstellung], dass es sehr viel existentielle Kritik an den Verhältnissen gegeben hat. Das [...] Individuum ist dargestellt in beengten Situationen […] das sind alles bildnerische Chiffren, die sehr wohl jeder gelesen hat als Willen und als Kritik und als Aufruf, die bestehende Gesellschaft zu verändern.“ (Gisbert Porstmann, in: Wiedersehen mit der Kunst der DDR, Sachsen Fernsehen, 23.10.2019) | Katharina Wippermann