Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Objektbeschreibung
Die Ruine der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche leuchtet hell auf dem dunkelblauen Grund des Gemäldes auf. Wie Lichtsäulen heben sich die weißen Kirchtürme von dem dunklen Nachthimmel ab, die durch den pastosen Farbauftrag und die starken Einritzungen ihre plastische Form erhalten. Das reliefartige Temperagemälde ist eines der letzten der zwischen 1947 und 1952 entstandenen Werke dieser Art, zu denen auch seine Werke „Flugzeuge der Luftbrücke“ (B 32/10) und „Haussegen“ (B 42/20) gehören. In den Nachkriegsjahren beschäftigte sich Jaenisch vermehrt mit dem Leben in West-Berlin und seiner Rezeption. Nach der schweren Beschädigung der Gedächtniskirche 1943 wurde die Ruine nach dem Zweiten Weltkrieg zum Mahnmal, um an die Grauen des Krieges zu erinnern und als Mahnmal des Friedens. Jaenisch hält in seinem Gemälde den Zustand um 1951 fest – fünf Jahre bevor der einsturzgefährdete Chor abgerissen wurde und ausschließlich die Ruine des Hauptturms der Kirche erhalten blieb, wie sie bis heute auf dem Breitscheidplatz steht. Die Einritzungen, Risse und scharfen Hell-Dunkel-Kontraste auf der Gemäldeoberfläche heben die Verletzungen des Gebäudes hervor und geben damit einen charakteristischen Eindruck der Stadt in dieser Zeit wieder. | Anina Gröger