Lotosbrunnen
Objektbeschreibung
Der Lotosbrunnen entstand als Auftragsarbeit für das Foyer im Untergeschoss der Neuen Nationalgalerie. Die Brüder Baschet hatten seit den 1950er-Jahren neuartige Musikinstrumente und Klangskulpturen entwickelt. Bei ihrer Ausstellung in der West-Berliner Akademie der Künste 1972 stellte George Rickey sie dem Direktor der Neuen Nationalgalerie, Werner Haftmann, vor. Dieser beauftragte sie 1974 mit einem Klangbrunnen, der in Zusammenarbeit mit dem Architekten Alain Villeminot realisiert und am 13. März 1975 eingeweiht werden konnte. Die niedrige Umgrenzung des Wasserbeckens dient als Sitzgelegenheit. Aus neun silbern glänzenden Lotusblättern ragen metallische Blütenkelche heraus. Diese wippen leicht, wenn sie sich mit Wasser füllen, das beim Ansteigen kanarienvogelartige Flötentöne und beim Überlaufen sanfte Saitenklänge auslöst. In Intervallen wiederkehrende, ruhige musikalische Klänge erzeugen zusammen mit dem leisen Plätschern und den langsamen Bewegungen eine friedvoll-harmonische, meditative Stimmung. Der Kreislauf des Wassers erinnert an die Zyklen des Lebens in der indischen Kosmogonie: Steigen und Fallen, Wandlung und Wiederkehr. Die beiden Künstler, das Publikum und die Aufsichtskräfte bedauerten es sehr, dass Haftmanns Nachfolger Dieter Honisch den Brunnen im August 1976 abbauen ließ, um das Foyer wieder als flexiblen Veranstaltungsraum nutzbar zu machen. Von 1982 bis 2012 war die Installation im Europa-Center auf verändertem Grundriss im Zusammenspiel mit einem Café aufgebaut, bevor sie wegen hoher Störanfälligkeit und aufgetretener Schäden eingelagert wurde. | Dieter Scholz