Abtransport der sechsarmigen Göttin
Objektbeschreibung
Das Bild wurde im Sommer 1956 in Bautzen gemalt und gilt als Hauptwerk der frühen, unmittelbar nach dem Studium einsetzenden Schaffensphase Metzkes, in der sich der Künstler farbintensiver, figurenreicher Kompositionen und einer an existenziellen Metaphern reichen Motivik bediente. Die erdachte Szenerie ist – angeregt durch den Besuch der „documenta“ 1955 – an Werken der klassischen Moderne (Max Beckmanns vor allem) orientiert. Die Darstellung der sechsarmigen Göttin zeigt einen relativ freien und assoziativen Umgang mit indischen oder asiatischen Kulturen. Das Geschehen füllt einen Strand. Bilder, Szenen und Metaphern der Gewalt umringen das Monument. Das Tun der dargestellten Menschen erschließt sich rasch, lässt in ihnen Opfer, Täter und Zeugen erkennen. Gewalt wird präsentiert durch Waffen und Gerät, ausgeübt von teils uniformierten Menschen. Scheinbar dicht am Ufer liegend, beschirmt ein Kriegsschiff die Szenerie. Die Willkür an Land vernichtet, doch ist ihre Macht begrenzt: Das Entfernen des Standbildes scheint unmöglich, denn die Hilfsmittel des Transportes sind zu schwach. Die Statue wirkt individualisiert, nicht zuletzt, weil von ihr die Hinwendung zu den Betrachtenden ausgeht. Die stumme Geste des Empfangens und Gebens meint den, der sieht, alles andere wird gesehen. Das Bild der Göttin öffnet das Geviert, der Rest verschließt sich in der Bilderzählung. Erstmals im Entstehungsjahr ausgestellt, wurde das Gemälde unterschiedlichsten Interpretationen und Deutungen unterworfen, die Metzkes, sofern sie unmittelbar politische oder historische Bezüge herstellten, nie kommentierte. Die sechsarmige Göttin kann als Zeichen und Sinnbild einer universalen, ideellen, nicht diesseitigen Ganzheit gesehen und verstanden werden. Ihr Abtransport deutet hin auf einen empfundenen, erinnerten, erlebten oder geahnten Verlust dieser Ganzheit. | Jörg Makarinus