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Bildnis meiner Mutter


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Objektbeschreibung

Heisig, 1925 in Breslau geboren, musste 1945 seine Heimatstadt verteidigen. 1947 verließ er die Stadt – nun, unter polnischer Verwaltung, Wrocław – mit seiner Mutter und studierte von 1949 bis 1951 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Untrennbar verbunden mit Heisigs Visionen von der „Festung Breslau“ (A IV 304) sind die Porträts seiner Mutter, die diese zum Beispiel mit Blick auf die Stadt („Bildnis der Mutter III“, 1967; Lindenau-Museum, Altenburg) oder vor Breslau in Flammen („Meine Mutter vor brennender Stadt“, 1976) zeigen. Heisig berichtete, dass seine Mutter mental immer in Breslau blieb und sich nie mit dem Verlust abgefunden hat (Mitteilung an den Autor, 15.10.2000). Das „Bildnis meiner Mutter“ zeigt sie acht Jahre vor ihrem Tod im Dreiviertelporträt aus leicht erhöhter Perspektive etwas nach vorn gebeugt formatfüllend in einem Armlehnstuhl. Mit etwas geneigtem Kopf scheint sie melancholisch in sich hineinzublicken. Die ärmellose grünblaue Bluse, an der eine Brosche befestigt ist, verleiht ihr eine bescheidene Eleganz. Die schweren, groben Hände in ihrem Schoß zeugen von einem langen Arbeitsleben. Der durch ein Fenster im Hintergrund lichtdurchflutete Raum erinnert an das berühmte Gemälde „Das Balkonzimmer“ von Adolph von Menzel (1845, A I 744). Nur ein leichter Schatten streift die Dargestellte von der Seite. Heisigs Porträt verleiht der Mutter trotz ihres vorgerückten Alters eine ungebrochene Präsenz und Autorität. | Eckhart J. Gillen