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Objektbeschreibung

„Tafraoute“ gehört zu den wenigen Gemälden, die Geiger nicht mit einem numerischen Titel versah. Das Gemälde ist nach einem Ort in Marokko benannt und entstand bei einem Aufenthalt in Casablanca, wo Geigers Sohn in einem Architekturbüro arbeitete. Auf großen Leinwänden, teils im Hoch-, teils im Querformat, untersuchte er die Farben der marokkanischen Städte und Landschaften, die ihn bereits 1924 als Kind auf einer Reise mit seinen Eltern nach Tétouan – damals Hauptstadt des spanischen Protektorats in Nordmarokko und der Sahara – beeindruckt hatten. Das Querformat von „Tafraoute“ ist beinahe quadratisch. Formale Bezüge zur Landschaftsmalerei, etwa ein Panoramaformat, vermied Geiger bewusst. Es ging ihm allein um die Wahrnehmung der Farben, mit der er sich in seinen abstrakten Kompositionen intensiv auseinandersetzte. Dies ermöglichte ihm, wie er bereits 1947 konstatierte, „von der Realität Abstand zu nehmen und die Dinge zu verzaubern“ (Rupprecht Geiger, in: Maler der Gegenwart III. Extreme Malerei, Ausst.-Kat. Augsburg, Schaezlerpalais, 1947, o.S.). „Tafraoute“ zeichnet sich durch eine fein nuancierte monochrome Farbgestaltung aus. Es gehört zu den letzten Werken, auf denen der Pinselduktus des Künstlers noch so deutlich zu erkennen ist. Nach seiner Berufung an die Kunstakademie Düsseldorf im Entstehungsjahr dieser Arbeit begann eine Phase tiefgreifender technischer Innovation, in der sich Geiger beim Malen zunehmend von künstlerischem Selbstausdruck distanzierte – etwa durch den Einsatz einer Spritzpistole. Möglichst wenig sollte von der Erfahrung der Farbe ablenken. | Catherine Nichols