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Weihnachtsnacht 1524


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Objektbeschreibung

Dieses Bild ist die zweite, leicht geraffte Version des Motivs, das auf dem 1:10-Modell für das Panorama „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ (A IV 602) an der Schnittstelle der fünften und der ersten Tafel erscheint. Eine etwas kleinere, erste Fassung (1976) befindet sich im Ludwig Forum, Aachen. Das vier Meter hohe Bild diente dem „Hochmalen“ eines Ausschnitts, der in der kleinen Berliner Modell-Fassung etwa 80 Zentimeter misst, im Panorama aber fast 8 m hoch ist. Links der hohe Felsen aus der vorhergehenden Szene, im pechschwarzen Himmel der eselsohrige Papst, von Dämonen umgeben. Darunter die schneebedeckte Landschaft. Von links zieht ein Reiter auf weißem Pferd einen Leiterwagen voller Kranker und Bettelnder heran und stößt auf einen abgestorbenen Baum, auf dem der abgeschlagene Kopf eines Menschen steckt. Der Wagen wird freudig von einer Frau und klagend von einem einbeinigen Bettler empfangen. Im Hintergrund sind eine Enthauptung und ein Ablasshändler zu sehen. Die Szene scheint vage von einem Einblattdruck Sebastian Brants (1524) inspiriert, in dem eine Prophezeiung Jesajas (Jes 14) als „Höllenfahrt des Papstes“ gedeutet wird. Der Papst, im reformatorischen Verständnis die Verkörperung der pervertierten Kirche, erscheint bei Tübke als „König von Babel“. Er wird, eben noch in den finsteren Himmel erhoben, demnächst in die Hölle gestürzt werden. Die „Weihnachtsnacht“ ist hier also ein dezidiertes Anti-Bethlehem: Nicht der Erlöser wird geboren, sondern der Herr des Sündenbabels feiert seinen Triumph. | Oliver Seifert