Französische Landschaft
Objektbeschreibung
Mit gerade einmal 26 Jahren erhielt der Maler und Grafiker Kliemann 1950 den Berliner Kunstpreis sowie ein Stipendium für einen Aufenthalt in Paris. Über die folgenden Jahre schlug sich dieser Besuch der französischen Hauptstadt sowohl im druckgrafischen wie auch im malerischen Werk nieder. So existiert neben dem Ölgemälde „Französische Landschaft“ auch eine Holzschnitt-Fassung mit nahezu identischem Bildaufbau. Stilistisch und formal blieb der Künstler in dieser Werkphase noch sehr seinem Professor und Mentor, dem Brücke-Maler Karl Schmidt-Rottluff, verpflichtet. Auffallend sind die starke Konturbetonung und Farbflächigkeit. Der einflussreiche Kunstkritiker Will Grohmann attestierte dem Künstler 1956, dass dieser „die Wirklichkeit [definiert], und zwar mit bildnerischen Mitteln, die sich denen der gegenstandsfernen Zeitgenossen nähern. Deshalb sind auch die Farben nicht Ausdruck seines Naturerlebens, sondern Definition der Sache im Geiste seiner Konzeption von Welt und Kunst.“ (Stuttgart, Staatsgalerie, Archiv Will Grohmann, Kasten 103, Mappe 2, o.T., o.J. [vermutlich 1956]) Wenig später, Ende der 1950er-Jahre, vollzog Kliemann dann einen grundlegenden stilistischen Wandel. Sein künstlerisches Werk wurde zunehmend abstrakt, und auch farbkompositorisch emanzipierte er sich vom Expressionismus der Brücke-Künstler. | Dorothea Schöne