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Objektbeschreibung

Im Zuge der raschen Entwicklung des Surrealismus in der Tschechoslowakei wurden in den 1930er-Jahren viele Menschen autodidaktisch Künstler*innen. Dazu gehörte auch Kolář, der als gelernter Tischler in verschiedenen handwerklichen Berufen gearbeitet hatte. Ab 1934 schrieb er experimentelle visuelle Gedichte und schuf Collagen, die sich durch Gegensätze und die Montage von Texten und Bildern auszeichnen. Kolář empfand das Zerreißen und Zerschneiden von Reproduktionen und Texten nie als Destruktion, sondern als eine Kritik an der Sprache und dem Glauben an ihr Potenzial, die Wirklichkeit abzubilden. Während der Stalin-Ära war er inhaftiert, weil seine künstlerische Strategie das Vertrauen in die Propaganda untergraben haben könnte. Er spielte oft mit Unlesbarkeit als Phänomen, das die visuelle Seite der Schrift und die assoziative, poetische Kraft der Sprache betont. Für seine Serie „Buch-Collagen“, die er „Chiasmage“ nannte, nutzte er jeweils einen Text (bzw. ein Buch oder ein Bild), den er in gleichgroße Fetzen zerlegte und neu komponierte. Das Buch-Objekt der Nationalgalerie ist überdimensioniert. Einband und Rücken sind dicht mit ausgeschnittenen anatomischen, astrologischen und kartografischen Motiven aus einem Atlas oder einem Kompendium des Allgemeinwissens beklebt. In dieser Weise stellte Kolář den Mikrokosmos des menschlichen Körpers dem Makrokosmos gegenüber. Das Buch kann nicht geöffnet werden: Es ist unlesbar, ein Verweis auf die Intransparenz des Wissens und Kolářs mangelndes Vertrauen in die Sprache, das Symbol des Logozentrismus. | Marta Smolińska