Menzels linke Hand mit Bleistift
Objektbeschreibung
»Die
zwergenhafte Erscheinung, der etwas verbissene Zug um den Mund, der
durchdringende Blick, die untrügliche und unbestechliche Wahrheitsliebe kommen
bezwingend zum Ausdruck«, schrieb Walther Gensel, ein Zeitgenosse von Menzel
und Begas, im Dezember 1906 (Kunst für Alle, 21 (1905/06), S. 528). Damit
erfasste er sowohl die äußeren und innerlichen Besonderheiten des hochverehrten
Malers Adolph Menzel als auch die der wohl berühmtesten Porträtbüste, die der
vielbeschäftigte Reinhold Begas je schuf. Menzel, der unbestechliche, unerschöpfliche
Beobachter seiner Zeit ist mit strengem Blick und innehaltendem Zeigegestus
dargestellt. Die Büste galt den Zeitgenossen als »der Triumph der realistischen
Kunst«, wie der Kunstschriftsteller und Freund Ludwig Pietsch es 1879 in der
Zeitschrift »Nord und Süd«, (80 (1879), S.439) formulierte. Das begeisterte
Echo war einhellig: »Nie zuvor hatte Begas so rückhaltlose Anerkennung
gefunden, wie 1877, als er sein Menzelporträt ausstellte. Da mussten selbst
seine persönlichen und prinzipiellen Gegner sich ihm beugen« (A.G. Meyer,
Reinhold Begas (= Künstler-Monographien XX), Bielefeld/Leipzig, 1897, S. 80).
Begas wurde Menzel – der als ein Protagonist realistischer
Weltsicht schlechthin gelten darf – mit künstlerischen Mitteln
gerecht. Während er bei zahlreichen anderen Werken gern die dekorativen
Accessoires betonte, ja zuweilen weitläufig feierte, leistete er hier völligen
Verzicht auf alles Nebensächliche zugunsten einer Konzentration auf das Wesen
seines stadtbekannten Modells. Die treffende
Charakterisierung basiert allerdings auch auf jahrelangem freundschaftlichen
Umgang und auf gegenseitiger künstlerischer Wertschätzung. Die Gestalt Menzels
beschäftigte Begas auch später noch, so bei der Medaille zum 80. Geburtstag des
Malers. Im Jahre 1904 formte er die Hände des Malers ab; ihm fiel schließlich
1905 auch die Aufgabe zu, Menzels Totenmaske abzunehmen. Eine minimal
abweichende Bronzefassung der Büste (ebenfalls 1905) ziert das dunkle
Granit-Grabmal des Malers. | Bernhard Maaz