Träumende
Objektbeschreibung
Grzimek kam mit sechs Jahren nach Berlin, begann dort später seine Ausbildung als Steinmetz und studierte Bildhauerei bei Wilhelm Gerstel. Nach 1949 lebte er in West-Berlin und war als freischaffender Künstler in beiden Teilen Deutschlands tätig. Ein wiederkehrendes Motiv in seinem Schaffen ist der Mensch. Auch das Motiv der Träumenden griff Grzimek in mehreren Werken auf. Die überlebensgroße Bronzefigur „Träumende“ der Neuen Nationalgalerie ruht auf ihrer rechten Seite, dabei liegt ihr Körpergewicht auf der Hüfte und den Oberschenkeln, den Kopf stützt sie auf den rechten, angewinkelten Arm, während sie den linken hinter ihrem Rücken versteckt. Zwischen den Volumen von Hüfte, Oberschenkeln und Schultern wirkt die Taille wie ein Einschnitt in der Körpermitte. Die Figur nimmt eine komplizierte, fast unnatürliche Pose ein. Gestaltung und Thematik zeigen das Interesse des Künstlers daran, mittels des körperlichen Ausdrucks den Zustand zwischen Bewusstsein und Schlaf wiederzugeben und dabei nicht nur das sichtbare Äußere des Menschen, sondern auch das Innere während des Traums einzufangen. Grzimeks Figuren dienen häufig als Allegorien seiner Vorstellungen und Werte, dabei haben männlich gelesene Motive häufig etwas Dramatisches, weiblich gestaltete Figuren dagegen legen eine lyrische Interpretation körperlicher und seelischer Zustände nahe. | Sophia Bösch