Hirtin
Objektbeschreibung
Zwei Tiere umgeben eine Frau. Ihre Körper sind durchsichtig, sodass der bunte Boden, auf dem sich die Rinder befinden, teilweise durchscheint. Erkennbar sind sie fast ausschließlich durch ihre schwarzen Umrisslinien. Die Hirtin hat einen Arm um den Hals des vorderen Tieres gelegt, darüber hinaus deutet lediglich die Gerte in ihrer linken Hand eine Bewegung oder Tätigkeit an. Auf die Haut des stehenden Rindes sind rote Punkte gemalt, wie ein Echo der kleinen roten Blumen unten links im Vordergrund. Klar getrennte Farbflächen bilden eine Umgebung mit Bäumen und Hügeln. Campendonk malte häufig mit einer expressiven, fantasievollen Farbigkeit, die assoziativ oder naiv wirkt. Hier hat er zwischen einer naturalistischen Farbgebung wie dem Braun und Grün der Bäume links und rechts und einer davon losgelösten Darstellung, etwa im Rosa, Gelb oder Weiß des Bodens oder im Blau und Weiß der Hügel, gewechselt. Mit Tieren befasste sich Campendonk in seinem Schaffen immer wieder. Dieses Thema und die Auseinandersetzung mit Farbe verbanden ihn mit der Gruppe Der Blaue Reiter, mit der er 1911 zum ersten Mal in München ausstellte und der er sich 1912 anschloss. Von 1912 bis 1922 zeigte er seine Werke außerdem fast jährlich in der Berliner Galerie Der Sturm. 1924 waren Arbeiten Campendonks in der Neuen Abteilung der Nationalgalerie im Kronprinzen-Palais zu sehen. Drei Glasbilder von ihm befanden sich in der Sammlung dieses Museums, bis sie 1937 als „entartet“ beschlagnahmt wurden und seitdem als verschollen gelten. | Emily Joyce Evans