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Sonja

Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie aus Mitteln der Stiftung von Ingeborg und Günter Milich

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Objektbeschreibung

Das Bildnis der „Sonja“ genannten jungen Frau, die Schad 1928 in der Kulisse eines Berliner Kaffeehauses malte, gilt nicht nur als eines der Hauptwerke des Künstlers, sondern auch als Ikone der Neuen Sachlichkeit sowie als prototypische Darstellung selbstbewusst-emanzipierter Frauen in der Weimarer Republik. Der Maler hatte sieben Jahre in Italien gelebt, sich dort Raffael (1483–1520) zum Vorbild erkoren und gleichzeitig aktuelle Anregungen der Novecento-Gruppe aufgenommen. Im April 1928 bezog er ein Atelier in der Berliner Hardenbergstraße. Dort porträtierte er die kühl-distanziert und leicht melancholisch blickende „Sonja“. Mit modisch kurz geschnittenem Haar, Zigarettenspitze zwischen den Fingern, Camel-Zigarettenpackung, Puderdose und Lippenstift auf dem Tisch demonstriert sie ihre Unabhängigkeit. Über einem Unterkleid aus Seidenkrepp trägt sie ein Chiffonkleid nach Art des „kleinen Schwarzen“ von Coco Chanel. Die partielle Transparenz des Stoffs, das über ihr Knie hinaufgerutschte Kleid, die sich auffächernde Seidenkamelie auf der Schulter sowie die phallisch anmutende Flasche im Sektkübel verleihen dem Bild ein erotisches Flair, das jedoch durch die sich abgrenzende Körperhaltung und den ernsten Gesichtsausdruck konterkariert wird. Angeschnitten im Hintergrund sind rechts ein Pianist und links der Schriftsteller Max Herrmann-Neiße (1886–1941) zu sehen. Der Schauplatz ist demnach ein Literaten- und Künstlercafé, in dem die Dargestellte ihre Individualität behaupten kann. „Sonja“ hieß mit bürgerlichem Namen Albertine Gimpel (1896–1973), war zum Zeitpunkt des Porträts 32 Jahre alt und als Korrespondentin beschäftigt. | Dieter Scholz