Logo

Schlafendes Mädchen


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

In den 1960er-Jahren wandelten sich Stil und Motive des Sozialistischen Realismus. Von Künstler*innen erwartete man, dass sie neben Arbeit auch Privates, neben dem Kollektiv auch den Menschen abbildeten. „Ankunft im Alltag“ war nicht nur der Titel eines bekannten Romans von Brigitte Reimann, es war auch eine gesellschaftliche Losung. Kein anderer Maler verschaffte diesem Bedürfnis entschiedener Ausdruck als Walter Womacka. „Am Strand“ (1. Fassung von 1962 im Albertinum, Dresden) war eines der beliebtesten Gemälde der DDR, Abbildungen davon in vielen Wohnungen, als Briefmarke wurde es in einer Auflage von zwölf Millionen Stück gedruckt. Wo einige Kritiker Oberflächlichkeit und Schönfärberei beklagten, sahen andere ein optimistisches Abbild des modernen Menschen im Sozialismus. Der Kunsthistoriker Wolfgang Hütt, kein unkritischer Gefolgsmann der Kulturpolitik, schrieb über Womacka: „Es gibt nur wenige Maler, die sich so bedingungslos zur Schönheit des gegenwärtigen Lebens bekannt haben wie er“ (Hütt, Junge Bildende Künstler der DDR, Leipzig 1965, S. 168). Neu war auch die Sichtbarmachung des individuellen Glücks. „Schlafendes Mädchen“ fällt in dieselbe Schaffensphase und zeigt einen ganz persönlichen Moment der Entspannung. Lässig hat sich die junge Frau zu einem Nickerchen hingelegt, die abgelegte blaue Jacke deutet ihre Mittagspause an. Motivisch mit „Rast bei der Ernte“ (A IV 560) verwandt, wirkt der Stil natürlicher, ausgereifter und weniger statisch. Das Bild hat nichts Voyeuristisches oder Prätentiöses, es fängt einen unschuldigen Augenblick ein. | Sven Haase