Logo

Unterm Hakenkreuz


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Heisig nahm Ende 1944 an der letzten Offensive der Wehrmacht in den Ardennen teil. Von dort wurde er Ende Januar 1945 an die Ostfront versetzt. Sein Kompanieführer schickte alle Breslauer in die noch unzerstörte niederschlesische Metropole, die als „Festung Breslau“ die heranrückenden sowjetischen Truppen aufhalten sollte. Die Betrachter*innen schauen aus extremer Vogelperspektive auf das grandiose Panorama der Stadt an der Oder. Hoch über der Dombrücke agiert auf einer in luftiger Höhe wie ein Artistennetz ausgespannten Hakenkreuzfahne eine Gruppe von Männern neben einer nackten Frau als Allegorie der geschändeten Stadt Breslau. Neben der offenkundig Misshandelten steht ein gesichtsloser Soldat, unter dessen Stahlhelm Blut hervortritt, das ihm über die Hände rinnt. Daneben schreit der feiste Gauleiter Karl Hanke in seiner braunen Parteiuniform und mit einem Feldtelefon in der Hand zum Himmel. Vor ihm zielt mit fanatischem Gesichtsausdruck ein von blutigen Narben gezeichneter Hitlerjunge mit dem Maschinengewehr aus dem Bild heraus. Er steht für Heisig selbst, der in jugendlichem Alter in die Waffen-SS eingetreten war. Über dieser dicht gedrängten Menschengruppe erscheinen in der Mitte des Bildes von einer Aureole umgebene Lautsprecher, deren Schalltrichter wie eine Blaskapelle angeordnet sind. Rechts daneben fällt ein brennender Panzer ins Auge, aus dem ein Besatzungsmitglied zu entkommen sucht. Stadtpanorama, Brücke und die Oder sind im Vergleich zu den zahlreichen anderen Fassungen dieses Gemäldes deutlich in die Tiefe und die Ferne gerückt. | Eckhart J. Gillen