Logo

Bahnübergang Reick mit Schimmel


FacebookAuf Facebook teilen

Objektbeschreibung

Aus seinem erhaltenen Frühwerk ist ersichtlich, dass sich Kretzschmar in den 1910er-Jahren sämtliche Gattungen der Malerei erarbeitet und diese im weiteren Verlauf seiner Karriere in thematischen Blöcken vertieft hatte. So begann er nach dem Autodafé von 1921 (vgl. „Bildnis des Malers Oskar Trepte“, A IV 382) seine neue künstlerische Phase mit einer Serie von kleinstädtischen Impressionen seines Geburtsortes Döbeln sowie Ansichten von Provinzbahnhöfen und -plätzen wie in dem Bild „Bahnhof Sayda“ (A IV 385). Die Auseinandersetzung mit diesen Motiven erfolgte sowohl in der Malerei als auch in der Grafik. Bereits 1923 war etwa eine nahezu identische, wenngleich seitenverkehrte Wiedergabe des Bahnübergangs Reick als Radierung entstanden. Naturgemäß deutlicher als die Gemälde betonen die Grafiken Linie und Fläche und damit den konstruktiven Aufbau der Kompositionen jener Jahre. In den Gemälden ergänzt die Farbsetzung die Funktion der Linie und rhythmisiert die Fläche. Der gespachtelte Farbauftrag, den Kretzschmar seit Beginn der 1920er-Jahre anwandte, trägt den neu gewonnenen Parametern im Werk des Künstlers ebenfalls Rechnung und betont diese. Die Übersetzung kleinstädtischer Räume und ihrer Gegebenheiten in künstlerische Motive ist charakteristisch für Kretzschmar. Das änderte sich sein Leben lang nicht, weder durch Aufenthalte in Frankreich und Italien während eines Urlaubssemesters 1913 noch durch Fernreisen in späteren Jahren wie 1954 in die Volksrepublik China oder 1955 in die UdSSR. Kretzschmar blieb mit wenigen Ausnahmen ein Chronist des sächsischen (klein-)bürgerlichen Alltags, dessen Gepflogenheiten er mittels seiner Gestaltung in eine zeitlose Gültigkeit überführte. | Katharina Wippermann