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Der Wiener Baumeister Adolf Loos


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Objektbeschreibung

Der Architekt Adolf Loos (1870–1933) wurde international bekannt insbesondere durch seine Programmschrift „Ornament und Verbrechen“ (1908), in der er gegen die „unökonomischen“ Verzierungen in der Baukunst des Historismus und des Jugendstils polemisierte und für Funktionalität und Materialbewusstsein eintrat. Loos hatte Kokoschka auf der ersten „Kunstschau Wien 1908“ kennengelernt und vermittelte dem jungen Künstler bis 1912 wichtige Porträtaufträge von Bauherren, Intellektuellen und Wissenschaftlern, darunter Karl Kraus, Peter Altenberg, Hans Tietze und Auguste Forel. Außerdem veranlasste er den Maler, die Kunstgewerbeschule zu verlassen, die Loos der „konservativen“ Sphäre des „Gefallens“ zuordnete, und sich stattdessen ganz der freien, „revolutionären“ Kunst zuzuwenden, die „nicht gefallen“ dürfe (Adolf Loos, Ueber Architektur, in: Der Sturm, 1. Jg. [1910/1911], H. 42, S. 334). Im Porträt von Adolf Loos zeigt sich exemplarisch, wie Kokoschka dieses Ethos der Wahrhaftigkeit nicht im Sinne einer objektivistischen, fotografischen Positivität verstand, sondern – gerechtfertigt durch eine außergewöhnliche psychische Sensibilität – in Richtung eines subjektiv empfundenen, aber auch bewusst gewählten und im Kunstwerk „leibhaftig geformten“ „Gesichts“. 1912 prägte er für diese Konzeption einer wesenhaften Vision die Formel vom „Bewußtsein der Gesichte“ (Oskar Kokoschka, Das schriftliche Werk, Hamburg 1975, Band III, S. 9). Die glühende Intensität des inneren Ausdrucks speist sich dabei geradezu aus dem Konflikt mit dem äußeren, gesellschaftlich gebundenen Dekorum der dargestellten Person. | Oliver Seifert