Kamminke, geteerte Netze
Objektbeschreibung
1933 zog sich Niemeyer-Holstein, von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemt, an die Ostsee zurück, wo er sich schließlich bei Koserow auf Usedom niederließ. Als Wohnraum diente ihm zunächst ein Waggon der Berliner Stadtbahn, den er nach und nach um Anbauten ergänzte. Wie zuvor in seinen Stillleben (vgl. „Staubwedel mit Flasche“, A IV 416) entschied sich der Maler auch bei Ansichten nach der Natur für die Darstellung unspektakulärer Motive – nunmehr mit breitem und lockerem Pinselstrich. Und auch hier entwickelt der Bildgegenstand, im vorliegenden Gemälde eine mit Holzteer imprägnierte Reuse, ein wundersames Eigenleben. Wie ein semitransparenter Wurm mit großen dunklen Gliedern zieht sich das Netzgebilde fast durch die gesamte Komposition. Spezifische Hinweise auf den Ort des Geschehens fehlen. Lediglich der Titel verrät, dass es sich um das rund dreißig Kilometer südöstlich von Koserow gelegene Kamminke handelt. Heute befindet sich das Dorf kurz vor der Grenze zu Polen. | Kyllikki Zacharias