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Objektbeschreibung

Das 275 × 490 Zentimeter messende Monumentalbild „Leuna 1969“ ist das Pendant zu dem im Jahr zuvor fertiggestellten „Leuna 1921“ (A IV 241). Anders als dort gab Sitte hier ein positives Bild vom Leben im Sozialismus. Leuna galt als Vorzeigewerk für die Petrolindustrie, die für Fortschritt und Moderne in der DDR stand. Sittes Gemälde sollte das Chemiewerk und das damit verbundene Erfolgsversprechen triumphal inszenieren. Wie auch bei „Leuna 1921“ nutzte er die künstlerische Form des Simultanbildes und setzte verschiedene Themen und Erzählstränge nebeneinander. Mit expressiven künstlerischen Mitteln und indem er sich Techniken der Werbegrafik und Motiven aus dem Alltag bedient, entwirft Sitte ein optimistisches Zukunftsbild der arbeitenden Klasse in der DDR. Die schweißtreibende körperliche Arbeit ist von der Tätigkeit am Schaltpult abgelöst worden, durch die die Geschicke des Betriebs im Einklang zwischen Arbeit, Partei und Wissenschaft gelenkt wird. Links und rechts von dieser zentralen Szene beschreibt Sitte den Wiederaufbau der Leunawerke nach dem Zweiten Weltkrieg sowie deren Modernisierung und Technisierung mit Unterstützung der Sowjetunion. Dieser Fortschritt führt zu der in der rechten Bildhälfte dargestellten, lachenden Familie. Die politische Botschaft ist eindeutig: Die gelungene Wirtschaftspolitik der DDR bringt glückliche Bürger*innen hervor. Inhaltlich folgt Sitte damit ganz den Vorgaben des Sozialistischen Realismus, nutzt dafür aber eine dynamische, expressive Bildsprache sowie Motive und Themen aus den Massenmedien. Diese formalen Freiheiten waren in der DDR nur denjenigen Künstler*innen gestattet, die sich eindeutig zum politischen Programm der SED bekannten. | Maike Steinkamp